Pharaoe's Call

Freitag  24. 3. 2000

 Neunzehnte Ausgabe
- Seite 6 -

 

Coiffeur Mohamed Hamed

(Ursula Frank, Cairo) Nach solch einer Tour in die „Outbacks“ von Ägypten hat man eine Verschönerung nötig. Außerdem hatte ich schon längere Zeit vor über das besondere Erlebnis eines Friseurbesuchs in Ägypten zu berichten. Tina und ich machten uns also auf den Weg. Bei uns gleich um die Ecke, in 5 Minuten zu erlaufen hat „Er“ sein „Studio“: 

Coiffeur Mohamed Hamed

steht auf seiner Visitenkarte. Als wir hinkommen ist der ganze Salon voll.

In jedem Eck findet eine andere Aktion statt. Unter 2 Trockenhauben dampfen  2 Damen mit dicken Lockenwicklern vor sich hin, an anderer Stelle wird der Frisur durch Fönen der letzte Schliff verpasst, Madame Hamed entfernt Haare an diversen Partien einer Kundin, daneben eine Gruppe mit rauchenden Wartenden. Mittendrin steht der ägyptische Figaro: gepflegte Erscheinung, schwarze Schuhe, schwarze Hose, weißes langärmeliges Hemd, gelbschwarz gemusterte Kravatte, grau melierte kurze Löckchen, gelichtete Stirn, Adlernase, blitzende dunkle Augen. Mit flinken Bewegungen betätigt er die Brennschere, das wohl wichtigste Utensil eines ägyptischen Damenfriseurs. Sehr viele Ägypterinnen sind mit einer üppigen Lockenpracht gesegnet. Sie lassen sich diese jedoch professionell glätten und zu einer modischen Frisur mit großzügigen Wellen stylen. Die Brennscheren werden hier mit einer kleinen Gasflamme erhitzt. Einem deutschen TÜV- Beamten würden die Haare zu Berge stehen. Durch den ganzen Salon läuft eine Gasleitung. Neben den Friseirtischen sind Halter angebracht, auf denen die Brennscheren liegen. Darunter endet jeweils ein Leitungsabzweig in einer kleinen Düse (wie ein Bunnsenbrenner). Die offene Flamme erhitzt die Brennschere. Vor jeder Berührung mit dem Haar der Kundin überprüft der Figaro die Temperatur, indem er die Schere in die Nähe seiner Wange hält. Eine Hilfskraft steht neben ihm und wechselt jeweils heiße gegen kühle Brennschere. Zwischendurch gibt er kurze, knappe Anweisungen an seinen Mitarbeiterstab und die Angestellten flitzen: hier Locken aufwickeln, dort fönen, Tee oder Kaffee für eine wartende Madame. 
Das Warten gibt uns die Möglichkeit das bunte Treiben zu beobachten. Dabei fällt uns auf, dass nicht nur Amerikaner multitaskingfähig sind. Auch Ägypterinnen beherrschen diese Technik. Neben uns sitzt ein solches Talent am Frisiertisch. Der Figaro glättet ihre Haare Sträne für Sträne. Immer wieder treffen ihn schmachtende Seitenblicke seiner Kundin, die er mit blitzenden Augen und strahlendem Lächeln erwidert. Seine Frau manikürt die rechte Hand der Kundin. Plötzlich spielt das Handy eine Melodie. Es wird mit der noch freien linken Hand betätigt. Dahinter hüpft die kleine Tochter gelangweilt auf der Sitzbank herum und wirft ihre Milchflasche im Salon herum. Sofort eilt der Tee- und Putzangestellte herbei und hebt sie wieder auf. 
Ein besonderes Ereignis findet jedoch satt, wenn eine verschleierte Ägypterin beim Friseur erscheint. In meiner Unwissenheit dachte ich bisher, eine verschleierte Frau bräuchte doch eigentlich gar keinen Friseur, denn die Haare sind ja sowieso unter dem Tuch verborgen. Aber weit gefehlt. Bei unserem Mohamed gibt es im Salon einen mit grün gestrichenem Holz abgetrennten und mit Spiegeln verkleideten Raum mit Schiebetür. Mrs Hamad zieht sich mit der Kundin in diese Kammer zurück und macht sich an ihr Verschönerungswerk. Für die Haarwäsche solcher Kundinnen gibt es im Waschraum extra ein Waschbecken, das mit einem Duschvorhang vor neugierigen Blicken geschützt werden kann. Als die Kundin wieder durch die Schiebetür in den Salon gelangt, sieht sie genauso aus wie vorher. Sie zahlt an der Kasse und geht. 
Auch wir  sind nach endlich langer Wartezeit an der Reihe. Zunächst wird mit viel Wasser gewaschen und dann werden mit einem kleinen Messer die Haare gekürzt. Die Verständigung ist unproblematisch, der Wortschatz anscheinend international. Außerdem versteht der „Meister“ sein Handwerk. Innerhalb kürzester Zeit zaubert er einen perfekten Haarschnitt passend zur Trägerin bzw. zum Träger. Stefan und Peter zählen auch zu seinen Kunden . Sie fallen nur immer stärker auf im Salon bei all den ägyptischen Damen. Nach dem Fönen über die Rundbürste kommt das Styling. Zum Schluß werde ich in einen Schwall von Haarspray gehüllt. Mit einem Spiegel kann ich den perfekten Sitz der Frisur auch im rückwärtigen Bereich überprüfen. Ein Lächeln, kullu quajis, die Frisur ist fertig. Beim Zahlen entschuldigt er sich für die heute doch recht lange Wartezeit, überreicht mit einem Lächeln seine Visitenkarte und bittet für das nächste Mal um Voranmeldung. 
Nach dem Zahlen stellen Tina und ich fest, dass hier in Ägypten ein Friseurgesuch zu zweit billiger ist, als einzeln. Zwar liegt das Preisniveau unseres Mohamed sehr hoch für ägyptische Verhältnisse. Es gibt auch Haare schneiden für LE 10. Aber dieses Vergnügen ist uns schon einige „Pfünder“ wert. 
 
 

Irgendwie stellen wir in letzter Zeit fest, dass wir mehr Hits auf unserer Homepage haben, als wir Leute kennen, die normalerweise den Pharaoe's Call lesen. 

Das freut uns natürlich sehr!

Es wäre schön, wenn die Neuleser sich einmal in unserem Gästebuch verewigen würden. Vielleicht fällt dann ja die ein oder andere Anregung für uns ab, wie wir den Pharao besser machen könnten. Wir würden uns jedenfalls sehr freuen von unseren Lesern zu hören.

Das war's mal wieder, viel Spaß beim Lesen.

Euer Pharaoe-Team


 
 
 
{short description of image}
{short description of image}